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Ausgangspunkt der Entfernungsberechnung:
Stadtführer Stollberg - Walkmühle (16)

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Walkmühle (16)

aufgenommen in Kategorie:
Rundgang Sehenswertes - Bauwerke/Denkmäler
Rundgang Sehenswertes - Natur/Aussichtspunkte

Das Walkmühlen-Grundstück dürfte zu den ältesten Gewerbegrundstücken Stollbergs gehören. Seinen Namen verdankt es der Tuchmacher-Innung, die ihre gewebten Tücher in die Walkmühle brachte, wo sie mittels Wasserradantrieb gewalkt - also weich gemacht - werden konnten. Bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts war die Mühle in Betrieb.

1864 meldete Samuel Traugott Amen ein Tuchbereiterei-Gewerbe an. Wenige Jahre nach dem Umbau der Mühle im Jahr 1866 wird das Gebäude 1872 durch einen Brand zerstört. Ein Jahr später beantragte Gustav Simon den Bau einer Schneidemühle. Am 18.05.1919 kaufte Gerbermeister Alfred Bergel das Anwesen und eröffnet nach umfangreichen Bauarbeiten im Sommer 1919 eine Gerberei. Der Zweite Weltkrieg setzt dem konkurrenzlosen, florierenden Geschäft  ein jähes Ende - ab 1942 stand die Gerberei weitestgehend still.

Tochter Eleonore heiratete im August 1949 den Drogisten Max Rudolph und bekam nach dem Tod des Vaters im Jahr 1953 die Genehmigung zur Weiterführung des bestehenden Handels. Der Gewerbeschein als Gerberei wurde gelöscht, und da die Gewerberäume bei Erlöschen eines Gewerbes der behördlichen Lenkung unterlagen, wurden sie weitervermittelt. Auf dem Amt für Gewerbe wurde dann die Idee geboren, eine Lohnmosterei einzurichten (die Abwelkpresse der Gerberei war bereits zu einer Korbpresse umfunktioniert worden, um die eigene Apfelernte zu Saft zu verarbeiten).

Zuerst arbeitete Herr Rudolph zur Zeit der Apfelernte freitags, sonnabends und sonntags bis in den November hinein. 1955 besuchte er einen Süßmosterlehrgang. Um Mitglied in der Genossenschaft des Nahrungs- und Genussmittelhandwerks werden zu können, stellte er den Antrag auf die Gewerbegenehmigung auf seinen Namen, die er im Frühjahr 1957 erhielt. Seine Frau wurde mithelfende Ehefrau. Im Herbst 1960 musste „Saft-Max“ vorübergehend wegen „Überfüllung“ seine Obstannahme schließen. Da er dies per Inserat bekannt gab, wurde er im ganzen Kreis bekannt und konnte fortan nur unter Terminvergabe arbeiten.

In den 70er Jahren brach das Wasserrad zusammen und Herr Rudolph bat beim Rat des Kreises um Maßnahmen zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung. Als Antwort darauf wurde ihm die Aufhebung des Denkmalschutzes über das Anwesen und die Mitteilung zugesandt, dass die vorhandene Lohstampfe zur Überführung in die Knochenstampfe nach Dorfchemnitz als Leihgabe abgeholt würde. Die freiwerdende Radkammer sollte nun Apfelsilo werden, doch die Hürden der Bürokratie waren stark und fast wäre es das Aus für den Betrieb gewesen, wenn nicht Hilfe vom Leiter der örtlichen Versorgungswirtschaft gekommen wäre. Eine reiche Apfelernte war zu erwarten und deshalb war man auf alle obstverarbeitenden Betriebe angewiesen.

Plötzlich war es dem Rat des Kreises „sehr daran gelegen“, dass die Dienstleistung für die Bevölkerung nicht ausfiel - sogar Hilfestellung wurde versprochen. Nach Ablauf der Saison 1983 wurde auf einmal fast alles genehmigt, was vorher abgelehnt wurde. Sogar steuervergünstigte Investitionskredite bekam Herr Rudolph. Ab 01.07.1989 durfte er seinen Sohn als Teilhaber in den Betrieb aufnehmen.

Mit der Wende kam auch für die Süßmostereien eine schwere Zeit. Es gab ein Überangebot an Säften, viele davon in Wegwerfverpackungen. Es kam zu Schließungen, besonders die größeren DDR-Betriebe waren zuerst betroffen. Da die individuelle Tätigkeit der kleinen Lohnmostereien für die Großbetriebe nicht durchführbar ist, bleibt sie den kleineren Betrieben zum Glück erhalten.
Eine neue Abfüllanlage wird installiert, der Dampfkessel von Braunkohle auf Ölfeuerung und die Wirtschaft von „staatlich gelenktem Plan“ auf „frei“ umgestellt.

Drei Jahre nach dem Tod seiner Gattin scheidet „Saft-Max“ Max Rudolph 1996 aus der GbR aus und sein Sohn Frieder übernimmt die Verantwortung. Er kauft 1996 die benachbarten „Stadthäuser“, lässt sie abreißen und nutzt den freigewordenen Platz für Garagen und als Unterstellplatz für Hänger und dergleichen.

Geblieben sind auch heute: die leckeren Säfte, der große Andrang – besonders zur Erntezeit - und natürlich der alte Name…

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